Mart Stam

Der Möbelhersteller Thonet hat zahlreiche Klassiker von Designern aus der Zeit des Bauhauses in seinem Programm. Einige von ihnen stellen wir Ihnen hier mit einer Kurz-Biographie vor.

Thonet . Mart Stam . Stuhl S 43 Thonet . Mart Stam . Stuhl S 33
Bauhaus Dessau

Mart Stam (* 5. Aug. 1899 in Purmerend, Niederlande; † 23. Feb. 1986 in Goldbach, Schweiz) war ein niederländischer Architekt und Designer.

Nach dem Bestehen des Diploms als Zeichenlehrer und der Mitarbeit in mehreren niederländischen Büros kam Mart Stam 1922 nach Berlin und arbeitete dort u.a. bei Hans Poelzig und Max Taut. Hier begegnete er auch El Lissitzky, dessen Architektur- und Gesellschaftsvisionen Einfluss auf seine funktionalistischen und sozialethische Prinzipien des Neuen Bauens hatten.

1926 beteiligt er sich auf Einladung Mies van der Rohes an der Bauausstellung des Deutschen Werkbundes am Stuttgarter Weißenhof. Neben der Darstellung seiner Architekturideen stellt er hier auch die von ihm entwickelen Gasrohrstuhl aus.

Damit wird erstmals die Idee der Freischwinger populär, deren Charakterisikum das Fehlen der Hinterbeine ist. Diese revolutionäre Idee wird vor allem auch durch die Experimente in der Möbelwerkstatt des Bauhauses gefördert. Mart Stams Idee inspiriert Mies van der Rohe zu einem eigenen Entwurf (Thonet S 533).

Weißenhof-Siedlung Stuttgart - Reihenhäuser von Mart Stam

Aus Mart Stams Beiträgen zum CIAM-Kongress 1928 wird deutlich, dass er sich jetzt hauptsächlich mit der Wirtschaftlichkeit des Massenwohnungsbaus auseinandersetzt. Seine Ideen kann er bei der Planung der Hellerhofsiedlung in Frankfurt einbringen. 1928/29 lehrt er kurzzeitig als Gastdozent am Bauhaus in Dessau.

Die Drive-in-Flats (1936) spiegeln sein Bemühen um zweckmäßige Kontruktion.

Ab 1946 gibt er mit Hans Jaffé, Gerrit Rietveld u.a. die Zeitschrift Open Og heraus.

Unter der Leitung von Mart Stam erfolgt 1948 die Vereinigung der Dresdner Kunstakademie und der Hochschule für Werkkunst 1948 zur Akademie für Bildende und Angewandte Künste. Anschließend übernimmt er für kanpp drei Jahre die Leitung der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Bei der Neugliederung beider Institutionen steht das Ausbildungssystem des Bauhauses Pate.

1955-65 leitet er ein eigenes Architekturbüro in Amsterdam.

Seine Beiträge - hier in Frankfurt und in Stuttgart - zählen zu den qualifiziertesten der späten 20er und frühen 30er Jahre. Unbestritten gehört Mart Stam zu den wichtigsten Exponenten der Moderne. ( Wilfried Wang, Direktor des Deutschen Architektur-Museums, 1997)